Eine spitze Positionierung vergiftet Dein Soulbusiness

von | Mrz 24, 2021 | 10 Kommentare

Wie ich den Weg der spitzen Positionierung erlebt habe

Ich bin seit einigen Jahren auf meiner Reise “Soulbusiness” unterwegs. Ich habe einige Businessprogramme durchlaufen und mich in verschiedenster Hinsicht marketingtechnisch beraten lassen. Und immer ging es darum, dass ich meine spitze Positionierung finden muss. Manchmal hieß das auch mein Herzensthema, meinte aber das gleiche. Ich muss mich entscheiden. Sonst habe ich einem Bauchladen und von dem will keiner was und finden tut den auch keiner.  

Ich habe mich immer wieder dazu gezwungen, mich für ein Thema zu entscheiden, einen Kundenavatar auszuwählen und einige Werte zu priorisieren. Dann habe ich mein Warum und Wieso darauf angepasst, eine Vision formuliert und spätestens da gemerkt, dass das nicht ich bin. Alles klang fade und nach zwei Tagen wollte ich lieber wieder das andere Thema nehmen.

So wird das nix. Kann ich mich nicht einmal entscheiden? Wie soll da der Erfolg kommen? Ich kann einfach kein Business haben. Echt nervende Gedanken. 

Was war daran nicht stimmig?

Ich habe Dinge, Themen und Menschen, die nicht zu dem einem Herzensthema gehörten, weggelassen. Ich habe damit mich selbst ein Stück verleugnet und mich von mir entfernt. Dadurch wurde meine Selbstachtung weniger und auch ganz massiv meine Lebensfreude, weil ich mir nicht mehr erlaubte, mich dem, was mir Freude gemacht hatte, zu widmen.

Irgendwie ist doch da das Aufgeben vorprogrammiert oder?

Wenn Du Dich auf eine spitze Positionierung fokussierst, entfernst Du Dich nach und nach und immer weiter von Dir selbst. Du wählst ein Thema, eine Kundenavatarin und ein paar Werte aus und konzentrierst Dich fortan nur noch darauf. Das musst Du wohl auch, weil Du sonst einen Bauchladen hast und Dich damit keiner findet. 

„Das Fatale daran ist, dass Du irgendwann soweit von Dir entfernt bist, dass Du gar nicht mehr auf Dich achtest und Dir von den vorgegebenen Angebotsvarianten immer das kleinste Übel auswählst.“

Anja Futter

Klingt so gar nicht nach freudvollem Soulbusiness, sondern eher nach Hamsterrad. 

Und damit unterstützt es eine Welt, in der es verpönt ist, sich zu verändern, “Fehler” zu machen, nichts bis an sein Ende weiterzumachen. Es unterstützt ein statisches Welt- und Menschenbild. Es unterstützt das Bild von der Lebensentscheidung für den Beruf, den Partner, den Wohnort. Vielleicht unterstützt es genau das Weltbild, von dem Du eigentlich weg möchtest. 

Du kannst es anders machen, indem Du die Richtung änderst

Geh zurück zu Dir. In allen Bereichen. Verbinde Dich mit Dir und Deiner Freude und lass sie entscheiden. Bei jeder Frage. Lass alle Marketingstrategien los. Kombiniere die Tools daraus frei für dich. 

  • Du willst alle Themen dabei haben? Lass sie.
  • Du willst nur morgens arbeiten? Tu das.
  • Du sprichst lieber statt schreiben? Warum nicht.
  • Du spürst, dass Du lieber 1:1 arbeitest? Dann bleib dabei. 
  • Du möchtest, dass alle Welt sieht, was für tolle Pflanzen Du in Deinem Garten hast? Zeige sie. 
  • Du magst am liebsten Menschen arbeiten, die unterschiedlich alt sind und unterschiedliche Herausforderungen haben, aber Deine Freunde sein könnten? Dann sprich so wie immer. 
  • Du möchtest nie mehr als 20 Stunden arbeiten? Dann organisiere frühzeitig Hilfe.

Wer sagt, dass es kein Audiocoachingprogramm geben darf? Stimmt es wirklich, dass morgens keiner Zeit hat, Coachingtermine wahrzunehmen? Muss jeder Coach ein Gruppenangebot haben? Darf ich mich auch mit 3 Kundinnen im Monat erfolgreich fühlen?

Weißt Du, was auf diese Weise passiert? Du bleibst die ganze Zeit bei Dir. Du tastest dich vor und fährst Deine Fühler aus, z.B. den Fühler „Arbeitszeit“. Du machst sichtbar, dass Du morgens arbeitest. Schwupps, sammelst Du Leute, die auch morgens aktiv sind.

Das Zentrum dieser einzelnen Fühler bist die ganze Zeit Du selbst. Sie sind wie Rezeptoren. Du lässt Deine feinen Fühler in das bestehende System hineinwachsen und webst damit Deine “Positionierung”.

„Die Positionierung bist du selbst mit Deinen bewusst sichtbar gemachten Bedürfnissen, Wünschen und Interessen. Und Deine Kundinnen können einfach andocken an der ein oder anderen Stelle.“ 

Anja Futter

Das ist etwas ganz anderes als wenn Du bei einer spitzen Positionierung von einem breit interessierten Menschen auf einen kleinen Zielpunkt zugehst.

Und weißt Du, was noch passiert? Du bleibst in Deiner Freude. Du bleibst bei Deinen Bedürfnissen. Und Du bleibst in der Gegenwart. Bei dem, was Dich heute interessiert, was Du heute brauchst, wofür Du heute stehst. 

Ich kann mich der Tiefe, mit der ich das empfinde, nur ansatzweise durch das Schreiben annähern. Dieser Weg führt mich in die Verbundenheit. Mit mir und mit meinen Mitmenschen. 

Autorin Anja Futter

Businessmentorin

Kommentare

10 Comments

10 Kommentare

  1. Eva

    Wunderbar geschrieben! Mir geht gerade das Herz auf.

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    • Anja Futter

      Danke liebe Eva, ja ich glaube, eine solche Sichtweise kann sehr entlastend und eine Befreiung für das Herz sein. Von Herzen danke und liebe Grüße Anja

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  2. Markus Kämmerer

    Vielen Dank für den spannenden Beitrag. Ich vermute, dass viele der Berater „spitze Positionierung“ aus verschiedenen Gründen sehr einseitig verstehen. In der Positionierung geht es immer darum, was ich als erstes nach außen gebe. Was ich später mit einem Kunden dann noch mache ist eigentlich nicht Teil der Positionierung. Und eine Positionierung, die nicht aus dem Lebensstil der Unternehmerin heraus entwickel ist, ist meist die Positionierung die der Berater im Kopf hat, aber keine die jemals helfen wird. Und dann gibt es noch völlig verschiedene Arten der spitzen Positionierung: Produktpositionierung und Zielgruppenpositionierung. Für viele Solo-Unternehmer passt eine Produktpositionierung überhaupt nicht, weil sie die Bindung zwischen Unternehmer*in und Kunde nicht so sehr in den Vordergrund rückt.
    Oder noch deutlicher ausgedrückt: Kein Argument in deinem Beitrag spricht grundsätzlich gegen eine flexible, spitze Positionierung – wohl aber gegen die Art, wie sie sehr oft ermittelt wird. Und da liegt das Hauptproblem.

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    • Anja Futter

      Hallo Markus, danke für Deinen wertvollen Kommentar. Der vertieft nochmal das, worum es mir geht. Denn es geht mir im Grunde genauso, wie du es in Deinem letzten Satz formuliert hast: letztlich ergibt sich aus dem Aus-Sich-Selbst-Heraus-Entwickeln eine sehr feine und eben spitze Positionierung, die vollkommen auf dem basiert, wer Du selbst bist und was Du zu geben hast. Eine solche „spitze Positionierung“ ist spitze (;-)). Lieben Gruß und von Herzen danke, Anja

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  3. Selen

    Liebe Anja

    Danke für deinen für mich wertvollen Beitrag. Ich habe so breite Interessen und Stärken und das macht mich aus: holistisch und gleichzeitig überall in die Tiefe gehend. Sich diese Freiheit zu nehmen, „ganz“ zu sein, ist so befreiend! Danke, dein Beitrag schubst mich wieder weiter!

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    • Anja Futter

      Hallo liebe Selen, oh das freut mich, ganz besonders, wenn Du soviele Interessen hast. Sie alle haben eine ganz besondere Gemeinsamkeit, die Dich und Deinen Kern ausmacht. Und deswegen dürfen oder müssen sie bei Dir bleiben, ganz aktiv. Von Herzen liebe Grüße Anja

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  4. Sabine Brudy

    Liebe Anja,
    danke für dein Statement zur spitzen Positionierung.Mir ging es auch lange so ,du musst dich noch spitzer aufstellen.Dabei fing ich mich an zu verbiegen nur um es marketingtechnisch gut hinzubekommen.In der Zwischenzeit weiss ich dass es auch anderst gehen darf .
    Liebe Grüße
    Sabine

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    • Anja Futter

      Stark liebe Sabine, sowas find ich superschön. Diese Verbiegen ist auch genau der Moment, wo Du von Dir und Deinem Herzen weggehst und nur noch im Kopf bist. Das kann sich einfach nicht gut anfühlen :-))) Ganz liebe Grüße, Anja

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  5. Nicole

    Liebe Anja, du schreibst mir aus der Seele, genau damit, diesem Marketinganspruch und meiner eigenen Wirklichkeit, beschäftige ich mich auch aktuell. Deine Worte bestärken mich sehr, mehr auf mich und nicht auf die Theorien zu hören, bzw. beides gut miteinander in Einklang zu bringen. Danke und
    liebe Grüße
    Nicole

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    • Anja Futter

      Hallo liebe Nicole, Du sagst es und superstark, dass Du das für Dich so rausgefunden hast. Und genau wie du sagst, es darf beides in Einklang sein, denn die Marketingtools sind ja an sich nicht schlecht. Es geht nur darum, welche ich für mich auswähle, ganz frei und ohne Vorgaben. Das Wissen darum hilft sogar, weil ich dann eher weiß, welche Fragen ich mir eigentlich stellen muss beim Herausfinden, was ich will und was ich nicht will. Liebe Grüße und on Herzen Danke. Anja

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